Gefährdungen durch elektrische Flurförderzeuge

Verdeckte Risiken bei Ladeprozessen und Hallenbetrieb

Elektrische Flurförderzeuge haben in Industrie und Logistik maßgeblich zur Verbesserung der Luftqualität in geschlossenen Hallen beigetragen. Gerade bei hohem innerbetrieblichen Transportaufkommen stellen sie eine emissionsarme Alternative zu verbrennungsmotorischen Fahrzeugen dar.

Dennoch entstehen auch bei elektrisch betriebenen Gabelstaplern sicherheitsrelevante Gefährdungen – insbesondere im Zusammenhang mit Ladeprozessen, organisatorischen Abläufen und baulichen Gegebenheiten.

Vorfall aus der Praxis: Abgedeckter Stapler während des Ladevorgangs

Elektro-Gabelstapler im Hallenbetrieb – Mitarbeiter prüft Fahrzeug mit Checkliste vor Einsatz

In einer staubigen Industriehalle wurde ein elektrisch betriebener Gabelstapler während des nächtlichen Ladevorgangs mit einer Plane abgedeckt. Ziel des Mitarbeiters war es, den Sitz vor Staubablagerungen zu schützen und sich die morgendliche Reinigung zu ersparen.

Während des Ladevorgangs von Blei-Säure-Batterien entsteht – wenn auch in vergleichsweise geringen Mengen – Wasserstoff. Wasserstoff ist ein hochentzündliches Gas, das sich unter ungünstigen Bedingungen in sogenannten „Gasnestern“ sammeln kann.

Durch die Abdeckung mit einer Plane konnte sich das entstehende Gas lokal anreichern. Im ungünstigsten Fall kann beim Entfernen der Plane oder bei Inbetriebnahme des Fahrzeugs eine Zündquelle ausreichen, um eine Verpuffung auszulösen.

Explosionsgefährdung bei Ladeprozessen

Auch wenn es im ersten Moment übertrieben erscheinen mag:
Bei Ladebereichen von Flurförderzeugen ist grundsätzlich der Explosionsschutz zu betrachten.

Relevante Aspekte sind unter anderem:

  • ausreichende natürliche oder technische Lüftung

  • Vermeidung geschlossener oder schlecht belüfteter Laderäume

  • Entfernen von Hauben oder Abdeckungen während des Ladevorgangs

  • Begrenzung der Anzahl gleichzeitig ladender Fahrzeuge in engen Bereichen

  • Kennzeichnung des Ladebereichs

 

Insbesondere in engen, unbelüfteten Räumen kann sich Wasserstoff in zündfähiger Konzentration ansammeln. Die untere Explosionsgrenze von Wasserstoff ist niedrig, was eine erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich macht.

Organisatorische Verantwortung

Solche Vorfälle entstehen selten aus vorsätzlichem Fehlverhalten. Häufig liegt die Ursache in fehlender Unterweisung oder nicht ausreichend definierten Ladeprozessen.

Zu prüfen sind unter anderem:

  • Gibt es eine Gefährdungsbeurteilung für den Ladebereich?

  • Sind Ladebereiche baulich und organisatorisch definiert?

  • Wurden die Beschäftigten hinsichtlich der Gasentwicklung unterwiesen?

  • Ist die Lüftung ausreichend dimensioniert?

  • Sind geeignete Verbote (z. B. offenes Feuer, Rauchen) klar geregelt?

 

Auch bei elektrisch betriebenen Flurförderzeugen ist systematische Arbeitsschutzorganisation erforderlich.

Fazit

Elektrische Flurförderzeuge reduzieren Emissionen im Hallenbetrieb erheblich. Dennoch bestehen spezifische Gefährdungen, insbesondere bei Ladeprozessen von Blei-Säure-Batterien.

Unzureichende Lüftung, das Abdecken von Fahrzeugen während des Ladevorgangs oder fehlende organisatorische Regelungen können unter ungünstigen Bedingungen zu explosionsfähigen Atmosphären führen.

 

Explosionsschutz ist kein Thema ausschließlich für Chemiebetriebe. Auch im industriellen Alltag sind entsprechende Gefährdungen realistisch zu bewerten und organisatorisch zu beherrschen.